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Einige tun auch nur so, als würden sie leben. Einige Leben, aber tun nicht so als ob.
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Selbstgespräch. Thema: Politik
Oldenburg. 30. Januar 2004

Herr Franz, Sie haben sich auch eindeutig für eine weibliche Bundespräsidentin ausgesprochen?
So ist es. Wenn schon Bundespräsidentin, dann sollte sie schon weiblich sein.
Ist Ihnen die Parteizugehörigkeit dabei egal?
Nein.
Gehören Sie einer Partei an?
Nein.
Gibt es für Sie auch etwas Gutes im Schlechten?
Auf jeden Fall sonst würde ich in unserem Wirtschaftssystem gar nicht zu recht kommen und müßte mich konsequenter Weise selber umbringen bevor ich bei plus Kaffee für 2,19 Euro kaufen würde.
Darf ich Sie dutzen?
Ja.
Wo stehst Du politisch?
Ich selber bezeichne mich als systemkritisch. Am verwandesten sind mir sicherlich die sozialistischen und kommunistischen Ideen. Ich glaube, daa wir den Kapitalimus auf langer Sicht bekämpfen müssen, damit wir auf der Erde dauerhaft in Frieden leben können.
War das schon immer so?
Ich habe mich schon als Jugendlicher für Marx, Engels, Luxemburg und Lenin interessiert. Ich habe mit 15 Jahren die ersten Schriften von Karl Marx gelesen. Beeinflußt von diesen und auch von sozialistischen Strömungen aus den damals ganz neuen Bundesländern habe ich mich damals als Vollblutkommunist bezeichnet.
Und heute nicht mehr Vollblut?
Auf jeden Fall anders. Ich will den Kommunismus nicht gewaltsam über die Menschen brechen, wie noch vor zehn Jahren. Es kann nur passieren, wenn die große Mehrheit eingesehen hat, warum der Kapitalismus so schlecht ist und überwunden werden muß.
Und bis dahin?
Leben wir in einem schlechten System, welches wir an jeder Stelle womöglich verbessern sollten.
Was hälst Du von dem Sozialabbau, der derzeit in Deutschland betrieben wird?
Überhaupt nichts. Von vielen Seiten wurde dem gemeinen Bürger eingeredet, dass das System so nicht mehr zu bezahlen ist. Anstatt etwas an dem System zu ändern, so dass wir die Sozialleistungen erhaten können, werden sie unnötiger Weise weggekürzt und aufgegeben.
Was hälst Du von Studiengebühren?
Auch nichts.
Wo führen die Kürzungen in unserem Sozialsystem hin?
Es ist eindeutig zu erkennen, dass der Solidaritätsgedanke aufgegeben wird. Er scheint vielen Menschen zu teuer geworden zu sein. Es geht dahin, dass derjenige, der die Kosten verursacht diese auch zu bezahlen hat. Im BWL-Jargon heißt das Kostenstellenprinzip.
Was ist denn eine sinnvolle Änderung, damit das Sozialsystem erhalten bleiben könnte?
Die Verteilung der Kosten muss neu organisiert werden. Das für Betriebe sich die Summe der zu entrichtenden Beiträge anhand von der Höhe der Gehälter zahlen muss, ist realitätsfern und verteuert die Arbeit unnötig. Welcher Unternehmer viel verdient, sollte sich stärker an die Sozialabgaben beteiligen. Der Indikator sollte nicht Arbeitnehmeranzahl oder Arbeitnehmergehälter sein, sondern die Wertschöpfung des Unternehmens.

Ich verstehe jeden, der mit seinem Leben nicht klar kommt, doch ich verstehe sie nicht mehr, wenn sie nichts dagegen unternehmen.
© Torsten Franz, 2004